Hangout on Air – 5 Tipps für Neueinsteiger

Google+ gibt es erst seit eineinhalb Jahren, Hangouts on Air in Deutschland sogar nur 5 Monate. Vielen Menschen ist der Begriff noch nicht geläufig und man erntet verwunderte Blicke, wenn man erzählt, dass man sich mit Hangouts on Air beschäftigt.

 

Alte Kamera Fotolia 600

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Hangouts sind nichts anderes wie ein Videotelefonat über einen Computer oder ein Smartphone / Tablet. Skype hat sich in diesem Bereich als Begriff längst im Sprachgebrauch etabliert. Auch bei Skype gibt es wie bei Hangouts die Möglichkeit gleichzeitig mit mehreren Personen zu “Videophonieren”. >Update 10.05.14:< Allerdings muss, im Gegensatz zu Google Hangouts, mindestens einer der Skype-Teilnehmer Skype-Premium oder ein Unternehmenskonto haben. Skype kann mit bis zu fünf Nutzern in einem Skype Videoanruf kostenlos genutzt werden. >Update Ende< Während also ein Google Hangout nichts anderes wie eine Skype Videokonferenz mit mehreren Teilnehmern ist, bietet der Google Hangout on Air eine direkte Verbindung zum Youtube-Kanal. Der Hangout mit bis zu 10 Teilnehmern (inkl. Veranstalter) wird direkt mit einem leichten zeitlichen Versatz von 12 Sekunden live auf Youtube und Google+ übertragen, oder gestreamed wie es neudeutsch heißt. Man kann sich das bildlich so vorstellen: Ein Hangout ist wie ein Stammtisch in der Kneipe. Man trifft sich zu einem lockeren Gespräch unter Seinesgleichen, an dem Stammtisch ist nur Platz für 10 Leute. Die Gäste kommen und gehen und selbst der Wirt (der den Hangout gestartet hat) kann sich verabschieden und die Runde bleibt bestehen.

Hangout ist wie eine Stammtischrunde

Hangout ist wie eine Stammtischrunde

Anders dagegen der Hangout on Air. Der gleicht einer Podiumsdiskussion auf einer großen Veranstaltung. Oben auf der Bühne sind 10 Sessel für die Panelgäste, die mit diskutieren können. Alle anderen können der Diskussion im Saal (Youtube oder Internetseite) folgen. Sollte hier der Moderator / Veranstalter des Hangout on Air gehen, wird die Sendung nach einer kurzen Zeit beendet. Ein Saalmikrophon (Google+, Youtube, oder Twitter Kommentar / Frage) ermöglicht es dem Publikum direkte Fragen zu stellen.

Hangout on Air ist wie eine Podiumsdiskussion vor einem größeren Publikum

Hangout on Air ist wie eine Podiumsdiskussion vor einem größeren Publikum

Die 5 Tipps für Neueinsteiger:

LICHT

Licht ist immer wichtig, heißt eine Youtube Serie von Starfotograf Olaf Bathke das gilt nicht nur für Fotografen, sondern ganz besonders für Bewegtbilder. Wer vor seinem Bildschirm sitzt und sich nur von diesem anleuchten lässt, der sieht dann auch schlecht aus. Besonders bei Brillenträgern kann man fast den gespiegelten Bildschirminhalt auf den Gläsern erkennen. Stellen Sie sich bitte zwei Lampen neben dem Bildschirm auf, die Sie von links und rechts ausleuchten. Sonst sehen Sie aus wie dieser Herr hier:

Schlecht ausgeleuchteter Teilnehmer in einem Hangout on Air

Schlecht ausgeleuchteter Teilnehmer in einem Hangout on Air

Ton

Einige Fachleute behaupten, das der Ton im Video wichtiger wäre, als das Licht. Bei Gesprächsrunden, den meisten Anwendungen in Hangouts on Air ist das ganz sicher der Fall. Denn wenn der Ton schlecht zu verstehen ist, fehlt dem Zuschauer / Zuhörer der wichtigste Informationskanal. Da schalten die Zuschauer ganz schnell weg, denn Ohrenkrebs möchte niemand bekommen. Achten Sie deshalb auf einen guten Ton und die richtige Aussteuerung. Ausführliche Tipps zur Technik und deren Einsatz in Hangouts finden Sie hier und hier.

Bild

Dazu passt das Bild oben auch gut. Der junge Mann ist nicht nur schlecht ausgeleuchtet, sondern auch unter seiner Bauchbinde oder Lower Third (So nennt man die Leiste mit dem Namen) abgetaucht. Zu mindestens hat er eine Bauchbinde eingerichtet, was sehr einfach mit der Hangout Toolbox von Moritz Tolxdorff zu machen ist. Damit wissen alle Zuschauer, wer gerade spricht.

Aber bitte kontrollieren Sie Ihr Bild bevor Sie auf Sendung gehen oder fragen Sie vor der Liveschaltung die anderen Teilnehmer, ob Sie gut im Bild sind.

– Ausleuchtung ist ein so wichtiger Bestandteil, das ihr oben ein eigener Unterpunkt  gewidmet wurde (Siehe Punkt 1)

– Ausrichtung! Sitze ich in der richtigen Entfernung vor der Kamera? Bin ich gut sichtbar, vor Allem wenn ich spreche?

– Hintergrund Was ist hinter mir zu sehen? Das totale Chaos, oder die offene Tür zur Toilette? Ein neutraler Hintergrund, oder ein Greenscreen machen aus Ihrem Büro ein kleines Fernsehstudio.

– Auflösung Hangouts on Air werden den Teilnehmern intern mit 720p (HD-Auflösung) gezeigt. Die Zuschauer sehen den Hangout on Air in der Auflösung 480p. Wenn die Leiste mit den anderen Teilnehmern unten im Bild sichtbar ist, bleibt eine Restauflösung von 360p für das Bild des Sprechenden übrig. Wir empfehlen eine Kameraauflösung von mindestens 720p. Denn durch das Verkleinern wird dann ein einigermaßen gutes 360p Bild daraus.

Ablauf

– Themenauswahl  Am Anfang steht der Inhalt, um den es im Hangout geht. Es reicht auch ein Titel, zu dem dann am Besten kontrovers diskutiert wird. Nichts langweilt die Zuschauer mehr, als wenn sich alle einig sind.

– Termin Für eine Livesendung, die auch live gesehen werden soll, muss ich meinen potentiellen Zuschauern erst einmal die Möglichkeit geben, zu wissen wann die Show gesendet wird. Nur dann kann ich auch mit Zuschauern rechnen. Idealerweise sendet man am späten Nachmittag oder frühen Abend. Da hat auch die arbeitende Bevölkerung Zeit. Vorankündigungen in Blogs und Social Media Kanälen machen auf den Sendetermin aufmerksam. In Blogbeiträgen kann man die Zuschauer und sich selbst schon mal auf das Thema einstimmen und neugierig machen.

Rechtliches

Die rechtliche Unsicherheit stellt heute das größte Problem bei der Nutzung von Hangouts on Air dar. Die Gesetze dazu stammen noch aus der Zeit, als Rundfunk und Fernsehen nur über terrestrische Funkwellen verbreitet werden konnte. Da die Frequenzen rar waren und der Staat keine rassistischen, volksverhetzenden und jugendgefährdenden Sendungen an die Bevölkerung senden lassen wollte, wurde das durch Gesetze reglementiert. Erschwerend in Deutschland kommt hinzu, das diese Gesetzgebung in der Hoheit der Bundesländer liegt, was die Sache im Falle der Hangout on Air zusätzlich verkompliziert. Grundlage der kruden Gesetzgebung ist der Rundfunkstaatsvertrag. Dort ist geregelt, das jeder der regelmäßig unter Zuhilfenahme eines Sendeplans mit vorher festgelegten Inhalten sendet und potentiell mehr als 500 Zuschauer erreichen kann, als Rundfunksender gilt und eine Sendelizenz dazu benötigt. Auszug aus der Checkliste der Medienanstalten für Veranstalter von Web-TV:

1. Richtet sich Ihr Angebot an mindestens 500 potentielle Nutzer gleichzeitig? Es kommt nicht darauf an, wie viele Personen Sie tatsächlich erreichen. Wenn Sie nicht genau wissen, ob Sie überhaupt 500 potentielle Nutzer erreichen können, klären Sie, ob der Server, von dem aus das Angebot verbreitet wird, überhaupt für mindestens 500 gleichzeitige Zugriffe geeignet ist.

2. Ist Ihr Angebot journalistisch-redaktionell gestaltet?   Das Verbreiten von Bildern ohne jede weitere Bearbeitung ist keine journalistisch-redaktionelle Gestaltung (z. B. Live-Cam).

3. Sind die Inhalte in ihrer Ausstrahlung zeitlich vorhersehbar, weil es z. B. einen Sendeplan dafür gibt?   Zeitlich vorhersehbar ist Ihr Angebot z. B. dann, wenn Sie den Zeitpunkt der Ausstrahlung einzelner Sendungen selbst gestalten. Ein „Sendeplan“ kann auch dann vorliegen, wenn Sie Ihr Angebot zwar nur einmal in der Woche oder einmal im Monat verbreiten, das aber regelmäßig.

4. Verbreiten Sie Ihr Angebot live? Live bedeutet, dass das Angebot nur zeitgleich mit seiner Ausstrahlung empfangen werden kann. Die Nutzer können nicht selbst bestimmen, wann das Angebot startet oder endet. Als  Faustregel gilt: Angebote auf Abruf („On Demand“) sind Telemedien, also nicht Rundfunk.

Wenn Sie diese Fragen mit „Ja“ beantworten oder in der Beantwortung unsicher sind, wenden Sie sich  bitte  an die für Ihr Bundesland zuständige Landesmedienanstalt. Dort erhalten Sie eine konkrete Bewertung Ihres Web-TV-Angebots und erfahren, was Sie ggf. tun müssen, um eine Rundfunkzulassung (Lizenz) zu beantragen. Diese Beratung ist kostenlos. Wenn die Bewertung dort zeigt, dass Ihr Angebot „Rundfunk“ ist, haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie können, nachdem Ihnen das bekannt gegeben wurde, unverzüglich einen Zulassungsantrag stellen. Oder Sie können innerhalb von drei Monaten Ihr Angebot so anpassen, dass es ein Telemedienangebot ist.

 

Checkliste der Medienanstalten für  Veranstalter von Web-TV

Checkliste der Medienanstalten für Veranstalter von Web-TV

Diese Lizenz bekommt man von seiner für den Wohnort zuständigen Landesmedienanstalt. Bei einer Ausstrahlung über die Grenzen des eigenen Bundeslandes hinaus ist dann nicht mehr nur die eigene Landesmedienanstalt  allein für den Sender zuständig, sondern der Antrag müsste in der  Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK ) und der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) geprüft werden. Diese Kommissionen setzen sich aus allen Landesmedienanstalten zusammen, die aber nur circa alle 2 Monate zusammenkommen. Ziemlich viel Aufwand für einen Unternehmer, der vielleicht einmal im Monat eine Live-Sendung machen möchte. Um die Verunsicherung noch auf die Spitze zu treiben, legen die verschiedenen Landesmedienanstalten die herrschende Gesetzgebung unterschiedlich eng aus. Während die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) die strengsten Maßstäbe anlegt, sehen es deren Kollegen in der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) und der Medienanstalt Berlin Brandenburg MABB in Berlin relativ locker. Die LfM stellt gegen eine geringe Gebühr eine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. Die Bayern wollen auf alle Fälle eine Sendelizenz. Da diese Lizenzen für Fernseh- und Rundfunksender mit Vollprogramm gedacht sind, fallen auch die Kosten recht hoch aus. Ab etwa 1.500 bis 2.000 Euro aufwärts für 8 Jahre ist für ein kleines Sendevorhaben via Hangout on Air finanziell sehr belastend.

Allerdings sind die Zuständigen in der BLM sehr kooperativ. Das Bloggercamp von Gunnar Sohn und Hannes Schleeh hat für seine Sendungen eine Ausnahmegenehmigung von der BLM erhalten, die dann sogar noch verlängert wurde.

Die Protagonisten des Bloggercamps setzen sich sehr für eine Änderung der unbefriedigenden und überholten Gesetzgebung ein. Sie haben dem Bundeswirtschaftsminister dazu bereits persönlich einen Änderungsvorschlag auf dem IT-Gipfel in Essen überreicht. Rechtlich zuständiger Ansprechpartner für eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrages ist für die Bundesländer die Staatskanzlei in Mainz. Die Problematik ist dort bereits adressiert, aber der Gesetzgeber evaluiert noch.
Unser Tipp für sendewillige Unternehmer:

Rufen Sie in der für ihr Unternehmen zuständigen Landesmedienanstalt an schildern Sie Ihr Sendevorhaben so genau wie möglich und erfragen Sie konkret welchen Rahmenbedingungen Sie einhalten müssen. Lassen Sie sich dies auf alle Fälle schriftlich nachvollziehbar bestätigen. Wenn Sie sich an diese Rahmenbedingungen halten, kann Ihnen eigentlich nichts mehr passieren. Abmahnungen nach dem Wettbewerbsrecht hat Thomas Schwenke in seinem Artikel, den er nach der ersten Sendung des Bloggercamps erstellt hat, ausgeschlossen. Böswillige Konkurrenten haben demnach keinen Ansatzpunkt mehr Live-Sendungen an Ihre Kunden rechtlich zu verhindern. Wer sich näher mit der Materie rund um Hangouts on Air befassen möchte, dem bieten die Macher des Bloggercamps einen eintägigen Workshop dazu an.

Fazit:

Hangout on Air sind ein sehr interessantes Format. Gerade die direkte Verbindung zum eigenen Youtube-Kanal und die relativ geringen Anforderungen an die zu verwendende Technik ermöglichen einen einfachen und schnellen Einstieg in die Welt der Live-Sendungen. Die zu erreichende Anzahl der Zuschauer ist dabei abhängig von der entsprechenden Vorberichterstattung und vorhandenen Reichweite derer, die hinter der Sendung stehen. Hier geht Qualität vor Quantität. Hinzu kommt derzeit noch der Neuheitsbonus, der den Unternehmen die dieses neue Format einsetzen gut geschrieben wird. Zudem sollte man den hohen Nutzen der assynchronen Kommunikation nicht unterschätzen. Auch wenn nur wenige Menschen die Sendung live verfolgen, so steht sie sofort im Anschluss an die Ausstrahlung auf dem Youtube-Kanal und allen Seiten, auf welchen sie eingebunden wurde, zur Verfügung. Google Hangouts on Air sind kostenlos und die sofortige Produktion eines komplett fertigen Youtube Videos ist ohne großes Know-How möglich.  Aus meiner Sicht ist das allein einen Versuch wert sofort los zu senden. Unternehmen sollten überlegen, ob ein regelmäßiger Hangout on Air nicht eine kostengünstige und moderne Möglichkeit bietet die Unternehmenskommunikation zu bereichern. Denn ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte und ein Film besteht aus tausenden von Bildern.

UPDATE Mai 2014:

Seit dem Hangout on Air der Bundeskanzlerin hat sich die bisher strenge Handhabung der Anwendung des Rundfunkstaatsvertrages auf die Hangout on Air Sendungen etwas gelockert.

Merkel Hangout on Air

Interview mit dem Vorsitzenden der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten