Die Krux mit der Effizienz

Immer mehr Arbeitsplätze gehen durch den Fortschritt verloren

Durch Konkurrenz und neue Technologien wird die Menschheit immer effizienter. In der deutschen Landwirtschaft produziert heute ein Mensch soviel Nahrungsmittel wie 1900 von 35 Arbeitskräften erwirtschaftet wurden. Der Anteil der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft liegt bei lediglich 2,2 %. Immer neue Verbesserungen und immer größere und effizientere Maschinen ersetzen die menschliche Arbeitskraft. Inzwischen sind die Maschinen derart in der Größe gewachsen, das sie an gleich zwei Grenzen stoßen.

Die erste Grenze ist die Höhe und Breite. Selbst durch intelligente Ein- und Ausklappmechanismen werden die Grenzen der Strassenverkehrszulassung mittlerweile erreicht. Das Fahren auf kleinen Straßen wird zu einem gefährlichen Manöver beim Umsetzen. In den USA geht es noch ein bisschen größer, jedoch stoppt auch die zweite Grenze dort den Gigantismus der Landtechnik. Selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird durch das sehr hohe Gewicht der Mega-Landmaschinen der Boden derart verdichtet, dass das Befahren von Feldern nur im so genannten “Hundegang” möglich ist. Dabei fahren die Vorder- und Hinterachse leicht seitlich versetzt, womit jedes Rad eine eigene Spur befährt.

3-Achsiger Rübenroder im Hundegang

3-Achsiger Rübenroder im Hundegang

Der Fortschritt macht aber nicht an den Größenbeschränkungen halt. Durch genaue GPS-Steuerung sind heute schon automatische Parallel-Fahrsysteme möglich. Dabei wird die Maschine von Satelliten und terrestrischen Referenzsignalen so genau geführt, das sie Spur an Spur parallel auf den Acker zaubert. Nur beim Wenden greift der Mensch derzeit noch ein. In Japan hat man diese Technologie schon vor Jahren weiter entwickelt. Auf den dortigen Reisfeldern stießen die Ingenieure schon viel früher an die Gewichtsgrenzen. Dort wird der Reis bereits komplett von Robotern gepflanzt.

Roboter ersetzen Menschen

Roboter ersetzen Menschen

Die nächste Stufe sind parallel fahrende Schwärme von kleineren Maschinen. Auf einer dieser „Schwarm-Roboter“ sitzt dann eventuell noch ein Mensch, der den kompletten Schwarm steuert und darauf achtet, das alles wie vorgesehen abläuft.

Die menschliche Komponente der Technisierung

Immer weniger Menschen und immer mehr Maschinen.  Die Kehrseite der Technik-Medaille ist ein Mangel an Arbeitskräften in Spitzenzeiten in der Landwirtschaft.  Dauerüberlastung der auf den Höfen tätigen Menschen ist die Folge. Trotz aller Technik gibt es noch viele Tätigkeiten,  zu denen man Hirn und oder Hände eines Menschen braucht.  Vor allem wenn die ach so tolle Technik streikt. Diese Dauerüberlastung der Landwirte zeigt sich heute darin, dass es angeheiratete und nicht aus der Landwirtschaft stammende Zeitgenossen oft nicht lange auf den Höfen aushalten. Es gehört schon eine große Portion Enthusiasmus oder eine extreme Einsatzbereitschaft dazu, diese körperlichen und geistigen Anstrengungen zu überstehen.
Die Spitzenzeiten, beispielsweise in der Spargel- oder Erdbeeren-Ernte werden mittlerweile mit Aushilfen aus Osteuropa überbrückt.  Die Nationalitäten, der Erntehelfer indes wandern der Ausdehnung der EU folgend immer weiter nach Osten. Früher von Polen, Tschechen und Ungarn, wird der Spargel heute von Ukrainern, Rumänen und Weißrussen gestochen.

Ackerfurche

Den Rest des Jahres nutzen die Landwirte die Dienste des Maschinen- und Betriebshilfsdienstes, um die Spitzen im Arbeitsanfall zu brechen. Diese, in der Regel als Selbshilfevereine organisierten Einheiten dienen den Landwirten als Quasi Zeitarbeitsfirma. Durch den überbetrieblichen Einsatz werden die noch vorhandenen Arbeitskapazitäten besser ausgelastet und auf die Brennpunkte verteilt. Die Betriebshilfe arbeitet zum Teil mit fest angestellten Fachleuten aber auch mit Teilzeitkräften.

Ein weiteres Problem durch die zunehmende Effizienz und Technisierung in der Landwirtschaft ist, das die heutigen Betriebsgrößen nicht mehr ausreichen, um eine komplette Familie zu ernähren. Ernähren ist hier nicht im ursprünglichen des Begriffes gemeint, sondern ein in die heutige Zeit passendes Einkommen. Inzwischen braucht man als konventioneller Landwirt an die 100 Hektar Land um das zu erreichen. Da gerade im Süddeutschen die Betriebe sehr klein strukturiert sind, geht das nur durch Zupachten von Flächen. Mancherorts sind aber die Pachtpreise derart hoch, das nur bei guten Ernten ein Gewinn auf diesen Flächen zu erzielen ist.

Auswirkungen auf alle Branchen

Auch in anderen Branchen haben ähnliche disruptive Veränderungen statt gefunden, finden gerade statt, oder werden irgendwann statt finden. Mitte der neunziger Jahre haben die Banken massiv Personal abgebaut. Dank der sicheren Gewinnchancen der Banken, ging das damals relativ lautlos ab. Ausscheidende Mitarbeiter wurden schlichtweg einfach nicht ersetzt. Durch das zunehmende Online-Banking wurden Arbeitsplätze in den Schaltern und in den nachgeordneten Bereichen schlicht überflüssig. Den Unterschied kann jeder, der bereits in den Achtziger Jahren ein Bankkonto hatte nachvollziehen. Damals ging man regelmäßig in seine Filiale um Überweisungsaufträge dort hin zu bringen oder dort auszufüllen. Außer am Geldautomaten habe ich seit vielen Jahren keine Bank mehr von innen gesehen. Die Deutsche Bank hat Mitte der Neunziger Jahre eine von drei nahezu gleich großen Standorten in München ersatzlos geschlossen. Momentan erwischt es nach der Musikindustrie die Zeitungen und Verlage. Ob die Verlage nun das Internet schlicht verschlafen, oder die bösen Aggregatoren, wie Google, ihnen das Geschäft weg genommen haben, sei einmal dahin gestellt. Fakt ist, das auch den Zeitungen durch das Internet das Geschäftsmodell ausgehöhlt wurde. Am Wochenende erhielt man noch vor 15 bis 20 Jahren eine prall mit Anzeigen gefüllte Ausgabe. Heute kann man die Stellenangebote, Autoanzeigen, Partnergesuche und Immobilienanzeigen auf ein paar wenigen Seiten finden. Diese Einnahmequellen sind heute bei mobile.de, autoscout24, parship.de, neu.de, monster.de und unzähligen mehr finden. A pro pos “Finden” das ist genau der große Vorteil des Internets gegenüber der gedruckten Variante. Man muss nicht lange suchen, man gibt seine Wünsche ein und läßt suchen. Sequentiell Analog gegen Parallel Digital. Letzteres ist einfach schneller und damit bequemer.

Dünne Zeitung Wochenendausgabe heute

Aber niemand will zurück in die vermeintlich gute alte Zeit, jedoch fordert auch der Fortschritt seinen Tribut. Immer weniger Menschen müssen immer produktiver arbeiten. Das löst Stress und die damit verbundenen Folgekrankheiten hervor. Zudem wird es immer schwieriger die frei gewordenen Arbeitskräfte sinnvoll zu beschäftigen. Die einen befinden sich im Stress wegen zu viel Arbeit (meist geistiger Natur) und die anderen fühlen sich nutzlos und nicht gebraucht. Unser Staat versucht zwar durch alle möglichen und unmögliche Gesetze, Verordnungen und Regeln, aber auch durch Subventionen und Maßnahmen diese Beschäftigungslücke zu schließen. Aber die Erfolge sind nur von kurzer Dauer und darüber hinaus höchst zweifelhaft. Der sich ständig weiter entwickelnde Fortschritt frisst kurzfristige Erfolge sofort wieder auf.

Deutsche Premium Fahrzeuge

Deutschland einst Automobilexportland par Excellence, exportiert immer weniger Fahrzeuge aus dem eigenen Land in die Welt. Durch die extrem hohen Lohnkosten ist in den Automobilfabriken im Inland der Mitarbeiterstand einer der niedrigsten pro produziertem Fahrzeug weltweit. Kuka einer der führend Hersteller von Fabrikrobotern ist nicht von ungefähr in Deutschland entstanden. Nur die Japaner haben einen ähnlich hohen Stand in diesem Bereich. Deutschland exportiert inzwischen Automobilfabriken und keine Fahrzeuge. Denn gerade in Ländern mit niedrigeren Lohnkosten lässt es sich mit hoher Automatisierung noch günstiger produzieren.

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